Die biologische Uhr lässt sich nicht zurückdrehen – aber man kann sie für eine Weile anhalten. Immer mehr Frauen entscheiden sich dafür, ihre Eizellen einfrieren zu lassen, um sich den Kinderwunsch auch zu einem späteren Zeitpunkt offenzuhalten. Karriere, Reisen, noch nicht der richtige Partner oder einfach das Gefühl, noch nicht bereit zu sein – die Gründe sind vielfältig.
Das Verfahren nennt sich Social Freezing. Aber was steckt eigentlich dahinter?
Was ist Social Freezing?
Beim Social Freezing werden unbefruchtete Eizellen entnommen und bei minus 196 Grad tiefgefroren. So bleiben sie über viele Jahre hinweg „konserviert“ und können später – wenn der Kinderwunsch konkret wird – für eine künstliche Befruchtung genutzt werden.
Der Begriff „social“ unterscheidet diese Möglichkeit vom sogenannten Medical Freezing: Hier geht es darum, Eizellen aus medizinischen Gründen einzufrieren, zum Beispiel vor einer Krebsbehandlung. Beim Social Freezing dagegen stehen persönliche Lebensumstände im Vordergrund – etwa, wenn der Kinderwunsch gerade nicht passt, man sich aber die Option für später offenhalten möchte.
Dass Social Freezing heute immer beliebter wird, liegt vor allem an der Vitrifikation. Diese moderne Technik des ultraschnellen Einfrierens verhindert, dass Eiskristalle die empfindlichen Zellen beschädigen. Dadurch haben eingefrorene Eizellen inzwischen sehr gute Überlebenschancen beim Auftauen.
Kurz gesagt: Social Freezing ist eine Möglichkeit, Zeit zu gewinnen – ohne sich sofort entscheiden zu müssen.
Ablauf von Social Freezing
Wer sich für Social Freezing entscheidet, durchläuft mehrere Schritte – ähnlich wie bei einer künstlichen Befruchtung.
- Voruntersuchung: Zuerst wird geprüft, wie es um die eigene Fruchtbarkeit steht. Dazu gehören Bluttests (z. B. Hormonwerte wie AMH) und ein Ultraschall, bei dem die Eizellreserve abgeschätzt wird.
- Hormonstimulation: Damit nicht nur eine, sondern gleich mehrere Eizellen heranreifen, wird über rund 10–12 Tage ein Hormonpräparat gespritzt. In dieser Zeit finden auch Kontrolluntersuchungen statt.
- Eizellentnahme: Wenn die Eizellen reif sind, werden sie in einem kurzen Eingriff – meist unter leichter Narkose – aus den Eierstöcken entnommen.
- Einfrieren (Vitrifikation): Die Eizellen werden anschließend sofort eingefroren und in flüssigem Stickstoff bei –196 °C gelagert.
Der ganze Prozess dauert nur wenige Wochen. Viele Frauen empfinden die Hormonbehandlung als etwas anstrengend, körperlich aber insgesamt gut machbar.
In einigen Kinderwunschkliniken – wie beispielsweise der Cada Kinderwunschklinik in Zürich – wird zusätzlich ein Egg Cell Scoring durchgeführt. Dabei bewerten Spezialist:innen die Qualität und Entwicklungsfähigkeit der Eizellen anhand verschiedener Kriterien. Dieses Scoring hilft einzuschätzen, welche Eizellen die besten Chancen auf eine erfolgreiche Befruchtung und spätere Schwangerschaft haben.
Was ist das beste Alter für Social Freezing?
Die wichtigste Frage lautet oft: Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Fakt ist: Je jünger die Eizellen beim Einfrieren sind, desto höher sind später die Chancen auf eine Schwangerschaft.
Studien zeigen, dass die Fruchtbarkeit ab Mitte 30 deutlich sinkt. Die besten Ergebnisse werden erzielt, wenn Eizellen vor dem 35. Lebensjahr eingefroren werden. Ab Mitte 30 steigt die Zahl der benötigten Eizellen deutlich, um später gute Erfolgschancen zu haben.
Heißt konkret: Das ideale Zeitfenster liegt meist zwischen Ende 20 und Anfang 30 – auch wenn Social Freezing grundsätzlich bis Anfang 40 möglich ist.
Erfolgsrate von Social Freezing
Viele Frauen fragen sich: „Wenn ich meine Eizellen einfriere – wie groß ist später die Chance, schwanger zu werden?“
Die Antwort hängt stark vom Alter beim Einfrieren und von der Anzahl der gewonnenen Eizellen ab.
- Mit 30 eingefrorene Eizellen bieten bei rund 20 eingefrorenen Eizellen eine Erfolgswahrscheinlichkeit von etwa 70 % für ein Kind.
- Mit 38 Jahren steigt die benötigte Zahl an Eizellen deutlich, und die Wahrscheinlichkeit sinkt.
Wichtig: Social Freezing ist keine Garantie, sondern eine Absicherung. Es erhöht die Chancen, in späteren Jahren schwanger zu werden – schließt aber andere Faktoren wie die Gebärmutterschleimhaut oder die allgemeine Gesundheit nicht aus.
Was kann ich selbst tun?
Natürlich lässt sich das Alter nicht aufhalten – aber man kann einiges tun, um die Qualität der Eizellen zu unterstützen. Studien zeigen, dass Lebensstilfaktoren einen spürbaren Einfluss haben können:
- Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Omega-3-Fettsäuren (z. B. aus Fisch oder Leinsamen) und wenig stark verarbeiteten Lebensmitteln wirkt sich positiv auf die Eizellqualität aus.
- Nicht rauchen: Nikotin schädigt nachweislich die Eizellen und beschleunigt den Abbau der Fruchtbarkeit.
- Maßvoller Alkoholkonsum: Am besten so selten wie möglich.
- Bewegung & Stressmanagement: Regelmäßige Bewegung und ein bewusster Umgang mit Stress unterstützen den Hormonhaushalt.
- Mikronährstoffe: Manche Ärzt:innen empfehlen zusätzlich Coenzym Q10 oder Folsäure – die Studienlage ist hier zwar gemischt, aber es gibt Hinweise auf positive Effekte.
Das Wichtigste: Ein gesunder Lebensstil kann die biologische Uhr zwar nicht anhalten, aber er sorgt für bessere Voraussetzungen – sowohl beim Einfrieren als auch später.
Kosten von Social Freezing im DACH-Raum
Social Freezing ist eine private Leistung und wird (anders als Medical Freezing) in der Regel nicht von den Krankenkassen übernommen. Die Kosten setzen sich aus dem Stimulationszyklus, der Entnahme, dem Einfrieren und den jährlichen Lagergebühren zusammen.
- Deutschland: ca. 3.000–5.000 € pro Behandlungszyklus + 300–500 € pro Jahr für die Lagerung.
- Österreich: ca. 2.500–4.000 € + 300–400 € jährlich für die Lagerung.
- Schweiz: ca. 5.000–7.000 CHF + 300–500 CHF pro Jahr für die Lagerung.
Wichtig zu wissen: Oft reicht ein Zyklus nicht aus, um genug Eizellen zu gewinnen – viele Frauen machen zwei Runden, was die Kosten natürlich erhöht. Außerdem übernehmen die Krankenkassen die Behandlung in der Regel nicht, wenn es sich um Social Freezing handelt. Nur bei medizinischen Gründen (z. B. vor einer Krebsbehandlung) gibt es Unterstützung.
Social Freezing kann eine Möglichkeit sein, die eigene Familienplanung flexibler zu gestalten. Es schenkt Zeit und hilft dabei, den Kinderwunsch mit den persönlichen Lebensumständen in Einklang zu bringen – sei es aus beruflichen, privaten oder gesundheitlichen Gründen. Wichtig ist, sich frühzeitig zu informieren und realistische Erwartungen zu haben: Eingefrorene Eizellen erhöhen die Chancen auf eine spätere Schwangerschaft, sind aber keine Garantie. Wer sich mit dem Thema auseinandersetzt, sollte sich umfassend beraten lassen und auf das eigene Gefühl vertrauen – denn letztlich geht es darum, den richtigen Zeitpunkt für das eigene Leben und den Kinderwunsch zu finden.